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Ghom
Die Stadt Ghom liegt im nordwestlichen Zentraliran, etwa 160 km südlich von Teheran
und war bereits in vorislamischer Zeit unter dem Namen Kumandan bekannt. Sie ist
nach Maschad die zweitwichtigste Pilgerstadt im heutigen Iran, da hier Fatima, die
Schwester des achten Imam Reza begraben liegt. Sowohl Schah Safi I. als auch der
große Safawidenherrscher Schah Abbas ließen zu Ehren Fatimas Heiligtümer bauen.
Letzteres ist unter dem Namen Hazrat e Mahsoumeh bekannt und beherbergt heute auch
ein Museum, in dem man Teppiche und Porzellan aus der Zeit der Safawiden sehen kann.
Auch Schah Safi, Schah Abbas II. und Schah Suleiman wurden hier beigesetzt. 1722
wurde die Stadt von den Afghanen eingenommen, aber bald wieder durch Prinz Tahmasp
Mirza befreit.
Die gewerbliche Teppichproduktion in Ghom begann erst um das Jahr 1930. Heute wird
sowohl in größeren Manufakturen, als auch in Heimarbeit geknüpft. Da die Muster sich
nicht aus einer eigenen Tradition heraus entwickeln konnten, wurden zunächst die
Muster anderer Knüpfgebiete übernommen. Mit der Zeit bildete sich dann jedoch ein
eigener Stil heraus, der heute über eine Vielzahl verschiedener Muster in
provenienztypischer Farbigkeit verfügt. Ghoms werden sowohl in Seide wie auch in
Wolle gearbeitet und kommen typischerweise in den Größen 100 x 150 cm, 130 x 200 cm
sowie, seltener, in 2 x 3 Meter und als Galerie (ca. 80 x 300 cm), sehr selten
jedoch in anderen, speziell größeren Formaten auf den Markt. Die Knüpfung ähnelt
stark den Teppichen aus Keschan, jedoch werden mehr durchgemusterte und weniger
Medaillionteppiche produziert. Daneben werden auch verstärkt Botehmotive,
Lebensbaummotive, Mille-Fleur, Jagd-, Vasen- und Bordürenmotive eingesetzt. Die
Produktion ist sehr stark von Meisterdesignern wie z. B. Rashti Zadeh, Arsalani und
Ahmad Archang geprägt worden und zeigt somit heute ein außergewöhnlich exaktes
Knüpfbild, dem man die Manufakturfertigung grundsätzlich ansieht.
Wie in Keschan wird auch in Ghom im persischen (asymmetrischen) Knoten geknüpft.
Besonders beliebt sind die Seidenarbeiten der Region, die sowohl qualitativ als
auch in ihrer feinen Zeichnung und großen Individualität Maßstäbe setzen. Früher
wurde Naturseide verwendet, mittlerweile ist die Produktion auf stärker gekämmte und
gleichmäßiger versponnene Manufakturseide umgestellt worden, die jedoch nach wie
vor von außergewöhnlicher Qualität ist.
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