|
Seidengewebe
Türkei, um 1600
Größe: 60 x 153 cm
Samt, gold- und silberlanciert
Bei dem in ganzer Bahnbreite von 60 cm vorliegenden Gewebe bildet der
himbeerrote Samtgrund den Rahmen der überschwenglichen Gold- und Silberbroschierung,
die mit ihren Glanzeffekten das großflächige, in glatter Atlasbindung gewebte Muster
kennzeichnet. Die Gliederung erfolgt durch vertikal abfolgende Spitzovale, die die
ganze Breite einnehmen und eine aufgefächerte Blattrosette umrahmen, die in der
Mitte einen stilisierten Granatapfel umfängt. Die aufsteigenden Äste der Spitzovale
sind durch Kronen miteinander verbunden und werden von Wellenranken mit Tulpen und
Rosetten umschlungen, die von dem gegabelten Stiel des Granatapfelmotivs ausgehen.
Der Samt, nach dem überlängten Rapport ein reiner Dekorationsstoff, zeigt einen
starken italienischen Einschlag. Die italienischen Erzeugnisse des 16. Jahrhunderts
wurden wie die osmanischen durch das Spitzovalschema mit reihenweise versetzten
Motiven bestimmt, zu denen auch die traditionsreiche Granatapfelrosette gehört,
währen das Renaissance-Motiv der Kronen zur Verklammerung der Spitzovale dient. Das
osmanische Element wird hier in der großzügigen Zeichnung und in bestimmten Details
wie den geometrischen Blütenranken deutlich. Der Austausch zwischen italienischen
und osmanischen Seiden, der seit dem 15. Jahrhundert über die orientalischen
Handelsniederlassungen der italienischen Seestädte erfolgte, lieferte beiden Seiten
Anregungen für die Gestaltung der Textilien. Erst im 18. Jahrhundert konnten sich
die osmanischen Seiden nicht mehr gegenüber den Importen aus Europa
behaupten.
|
|
|
|