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Ghiordes
Westtürkei (Gebiet von Ghiordes), 18. Jahrhundert
Größe: 135 x 174 cm
Kette: Wolle Z2S
Schuß: Wolle, 2 Schüsse
Knüpfung: Wolle symm. 1600/dm²
Gebetsteppiche bilden eine wesentliche Äußerung der muslimischen Welt. Sie werden
zum rituellen Gebet, der höchsten islamischen Pflicht, ausgebreitet, um den
Reinheitsvorschriften zu genügen. Das kennzeichnende Element des Gebetsteppichs ist
das als Nische gestaltete Innenfeld, das dem Mihrab in der Moschee entspricht, der
die Gebetsrichtung nach Mekka angibt, ohne deren Einhaltung das Gebet ungültig ist.
Im 16. und 17. Jahrhundert lieferten die osmanischen Manufakturen von Kairo und
Bursa die feinsten Gebetsteppiche, die als Statussymbole bewertet wurden. Ihre
Motive wurden später von den Gebetsteppichen aus Ghiordes aufgegriffen, einem
zwischen Izmir und Uschak gelegenen Dorf, das die umfangreichste Gruppe anatolischer
Gebetsteppiche hervorbrachte.
Bei dem vorliegenden Teppich wird der rote Grund wie bei den hochosmanischen
Vorläufern von einem stark geschwungenen Bogen in Hufeisenform überwölbt. Die
Zwickelfelder werden von Blütenranken überwuchert, die dem hochosmanischen
Blumenstil nahezukommen versuchen, der hier noch verhältnismäßig unverfälscht in das
Bordürenmuster eingegangen ist. Der Bogen wird von Säulen getragen, die im
ursprünglichen Entwurf verankert waren und inzwischen fast beziehungslos in dem
Gebetsfeld stehen, mit sprödem Blattwerk versehen und auf Wasserkannen fußend, die
als Symbole der kultischen Reinheit, die für das rituelle Gebet erforderlich ist,
zur Darstellung gebracht worden sind. Eine weitere Wasserkanne ist vom Scheitel des
Bogens herabhängend wiedergegeben, zusammen mit einer Moscheeampel, die zwar in ein
florales Motiv aufgelöst ist, aber dennoch die entsprechenden Koranverse (Sure 24)
ins Bewußtsein bringt: "Gott ist das Licht von Himmel und Erde. Sein Licht ist einer
Nische zu vergleichen, mit einer Lampe darin... Es gibt sie in Häusern, hinsichtlich
derer Gott die Erlaubnis gegeben hat, daß man sie errichtet und daß sein Name darin
erwähnt wird..." (d. h. in Moscheen).
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