Bericht aus der Fernsehsendung PLUSMINUS 2000
Orientteppiche: Das Geschäft mit billiger Ware blüht und verdrängt immer mehr den
"seriösen" Handel. Wirklich etwas für Schnäppchenjäger?
Trübe Stimmung im Hause xxxx in xxxx.
Am 02. September 2000 hätte das Teppichunternehmen seinen 100. Geburtstag
gefeiert, doch daraus wird nun nichts. Totalausverkauf, alles muss raus, zum Schluss
eine Versteigerung mit drastischen Preisnachlässen.
"Wir konnten nicht mehr", bilanziert Geschäftsführer xxxx, "die Konkurrenz mit
ihrer billigen Ramschware hat den Markt regelrecht versaut.
Schlimm nur für die Kunden. Die merken gar nicht, dass ihnen Teppiche minderer
Qualität untergejubelt wird."
Teurere Qualitätsware habe auf dem Markt keine Chance mehr.
Zu denen, auf die xxxx so rüde schimpft, gehört auch xxxx.
Der Orientteppich-Importeur zählt zu den ganz Großen der Branche, Umsatz in den
Filialen vergangenes Jahr: Millionen DM.
Am liebsten wäre es ihm, wenn die Deutschen sich alle paar Jahre einen neuen
Keschan oder Nain zu Füßen legen würden.
PLUSMINUS hat sich inkognito in einer Filiale drei Orientteppiche zur Ansicht
ausgeliehen und von einem Frankfurter Teppichgutachter testen lassen.
Der von der IHK bestellte und vereidigte Sachverständige entzauberte die Exemplare
binnen Minuten.
Als erstes einen persischen Kaschan, ausgezeichnet mit einem Preis von 18.910 DM.
Der war durchgestrichen und durch ein wahres Schnäppchenangebot ersetzt:
8.600 DM.
Das Gutachten indes kommt zu einem gemittelten Endverbraucherpreis von nur noch
3.872 DM.
Also doch kein Schnäppchen?
Kein Schnäppchen, resümiert der Sachverständige, der seit 42 Jahren gutachtet,
und verweist auf Mängel.
Während in der Filiale PLUSMINUS gegenüber die Zahl der Knoten mit 300.000
angegeben wurde, zählte der Gutachter nur 160.000. Auch die Inspektion der Fransen
brachte eine überraschung: die waren morsch, laut Gutachten wegen
Wassereinbruchs. Zudem waren der obere und untere Rand des Flors um
ca. 1 cm reduziert.
Etikettenschwindel ermittelte xxxx bei einem Teppich, der den Namen "Nain" trug.
Das Stück stamme gerade nicht aus dem persichen Nain, wie behauptet, sondern
aus Kashmar, das rund 1000 Kilometer entfernt von Nain liege.
Es handele sich lediglich um ein Nain-Muster. Weiter: ganz im Gegensatz zur
Aussage des Etiketts enthalte der Teppiche keine Seide, er sei auch nicht "fein".
Deshalb deutliche Rückstufung im Preis: die durchgestrichene Summe von 2.970 DM
und ihre Angebotsvariante 1.100 DM ersetzte xxxx durch den Preis von 1.030 DM.
Eine herbe überraschung bescherte uns schließlich ein Perserteppich der
Provenienz Ardakhan.
Im Laden wird uns sein Alter mit "25 bis 30 Jahren" angeben, doch laut Gutachten
ist das Teil "neu". Allerdings weist es Anzeichen starker chemischer Wäsche auf mit
dem Effekt einer deutlichen Bleichung - möglicherweise sollte der Teppich auf alt
getrimmt werden. Die Fransen sind zum Teil verfilzt, viele der Fransen sind neu
eingezogen und lassen sich leicht herauszupfen. In der Farbe unterscheiden sie
sich deutlich von den Altfransen.
Konsequenz für den Preis: statt 12.190 bzw. 5.800 nur noch 2.590 DM.
Der PLUSMINUS-Test wirft auch ein deutliches Licht auf das Werbe- und
Preisverhalten der xxxx-Gruppe.
"Wenn wir nach einer Werbekampagne mal keine Abmahnung erhalten, dann war
unsere Aktion nicht aggressiv genug", gibt xxxx freimütig zu.
Dass er immer wieder von Industrie- und Handelskammern, Abmahnvereinen und
Gerichten zur Räson gezogen wird, lässt den Teppichmogul kalt.
Vom Landgericht Frankfurt wurde ihm beispielsweise verboten,
mit dubiosen Preisreduzierungen zu werben.
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Verschieden Betrugsfälle an älteren Menschen (2002-2004)
Teppiche und die Masche mit dem Zoll
Eine 50-jährige Rentnerin aus Burg/Dithmarschen hatte im Dezember 2003 an der Haustür einen Teppich gekauft.
Der Verkäufer hatte südländisches Aussehen. Die Frau war mit dem neuen Teppich sehr zufrieden.
Ca. 4 Wochen später klingelte ein angeblicher Zollbeamter bei der Frau. Bei dem im Dezember gekauften Teppich
würde es sich um heiße Ware handeln, erklärte er. Sie könnte allerdings gegen Bezahlung von 1.500 Euro um ein
Bußgeld herumkommen und den Teppich behalten.
Als die Rentnerin ihre Verwandten anrief und um Rat bitten wollte, flüchtete der Betrüger.
Quelle: Dithmarschener Landeszeitung v. 19.01.04
Seniorin trickst Teppich-Trickbetrüger aus
Eine 83-jährige Frau aus Münster wurde von einem Unbekannten angerufen. Er bat inständig, ihm einen wertvollen
Seidenteppich für nur 200 Euro abzukaufen, ein echtes Schnäppchen. Aber er sei in finanziellen Schwierigkeiten.
Er wäre ganz dringend auf den Erlös des Teppichverkaufs angewiesen. Mit dem Geld wollte er den Zoll für weitere
kostbare Teppiche bezahlen.
Der Anrufer war so aufdringlich, dass die Seniorin ihm erlaubte, sie zu Hause aufzusuchen.
Die Frau hatte kein gutes Gefühl bei der Sache. Sie bat telefonisch einen am Ort wohnenden Verwandten zu dem
Termin. Als der Teppichverkäufer klingelte, ließen die beiden ihn nicht in die Wohnung und verständigten die Polizei.
Quelle:news aktuell v. 16.07.03
Gab Teppichgeschäft Kundenadresse an Betrüger weiter?
Ein 80-jähriger Rentner aus Kamp-Linfort (Nordrhein-Westfalen) hatte in einem Teppichgeschäft eine Brücke gekauft. Ein
paar Tage später rief ihn ein unbekannter Mann an. Das Teppichgeschäft würde schließen und den Betrieb aufgeben.
Darum möchte er den guten Kunden besuchen und ihm eine Brücke schenken. Außerdem könnte er wegen der Geschäftsaufgabe
noch günstige Teppiche anbieten. Die beiden vereinbarten einen Termin bei dem Rentner.
Doch dem kam die Sache nicht ganz geheuer vor und er fragte telefonisch in dem Teppichgeschäft zurück. Den Anruf
des Unbekannten konnte dort niemand erklären.
Zum vereinbarten Termin erschien niemand, erst später klingelten zwei Männer an der Wohnungstür. Der Senior öffnete
die Tür nicht, sondern tat das einzig Richtige in diesem Fall, er erstattete Anzeige bei der Polizei.
Quelle: Neue Ruhrzeitung v. 02.04.03
Betrügerische Teppichverkäufer
In Bereich Großenaspe und Hitzhusen (Schleswig-Holstein) meldeten sich Betrüger am 06.12 und 07.12.02 telefonisch
an und täuschten vor, sie könnten wegen eines Todesfalls günstige Teppiche abgeben. An der Wohnungstür legten Sie
dann minderwertige Teppiche vor, die sie zu horrenden Preisen verkaufen wollten.
In zwei Fällen klappte das hervorragend. Es wurden Beträge zwischen 5.000 Euro und 23.500 Euro für den Plunder bezahlt.
Auch im Bereich Bad Segeberg meldeten sich angebliche Teppichhändler fernmündlich bei Kunden an. Der gleiche Trick:
Sie täuschten vor, wegen eines Todesfalles könnten sie wertvolle Teppiche günstig abgeben. Wenn die ordentlich
gekleideten Herren kamen, wurden minderwertige Teppiche zu horrenden Preisen angeboten. In zwei Fällen sollen schon
Gelder bis 25.500 Euro gezahlt worden sein.
Quelle:news aktuell GmbH v. 06.12.02
Teppichbetrüger festgenommen
Am 14.11.02 stellte sich ein Mann bei einer 81-jährigen Rentnerin telefonisch als Mitarbeiter eines Bonner
Teppichgeschäfts vor. Zur Zeit würden an Stammkunden günstig Teppiche verkauft.
Die Seniorin war interessiert und vereinbarte einen Termin für den nächsten Tag. Zwei angebliche Mitarbeiter des
Teppichgeschäfts zeigten ihr verschieden Teppiche. Sie entschied sich für 4 Teppiche und bezahlte dafür 10.000 Euro.
Am nächsten Vormittag erschien einer der Männer mit einem ihr unbekannten Mann. Sie baten die Rentnerin um 100.000 Euro.
Damit müssten sie vom Zoll sichergestellte Teppiche auslösen. Das Geld könne natürlich mit großzügigen Zinsen in wenigen
Tagen zurückgezahlt werden. Zum Glück war die Tochter der Rentnin diesmal anwesend. Sie verständigte die Polizei,
noch während der Anwesenheit der beiden Männer. Die Täter konnten noch im Hause des Opfers festgenommen werden.
Quelle:news aktuell GmbH v. 22.11.02
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Fernsehbeitrag aus der Sendung PLUSMINUS vom 11.05.2004
Adresshandel in der Türkei; Wie Touristen geschröpft werden
Von Detlef Flintz und Wolfgang Rathgeber
Das Bundeskriminalamt warnt ehemalige Türkei-Urlauber vor Trickbetrügern, die sich mit Detailkenntnissen über
deren Reiseverlauf sowie dort getätigte Einkäufe das Vertrauen erschleichen. Die Täter erbeuten im Nachhinein
bei ihren Opfern bis zu sechsstellige Euro-Beträge.
Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern wurde bei einer Festnahme eine Adressenliste mit rund 600 Namen
von Urlaubern gefunden. Für Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer seien die Täter jedoch schwer zu fassen:
"Sie sind sehr mobil. Sie haben formal gesehen einen Wohnsitz, sind dort aber für die Ermittlungsbehörden so
gut wie nie anzutreffen, reisen durch Deutschland, durch den europäischen Raum."
Tasso F. Back aus Breitbrunn am Chiemsee stand vermutlich auf einer solchen Adressenliste. Wenige Monate nach
seinem Türkei-Urlaub mitsamt Teppichkauf bekam er Besuch. Angeblich Verwandte und Bekannte des Händlers, bei dem
Herr Back seinen Teppich erstanden hatte. Ein Problem mit dem deutschen Zoll hätten sie, hieß es. Zur Auslösung
ihrer Ware benötigten sie dringend 10.000 Euro in bar, nur für ein bis zwei Tage. Geld, auf dessen Rückzahlung
Tasso F. Back heute noch wartet.
Seit 2003 sind beim BKA 400 solcher Straftaten registriert, die Dunkelziffer ist wesentlich höher. Das Amt nähme
"diese Entwicklung sehr ernst", so Max-Peter Ratzel, Abteilungspräsident für organisierte und allgemeine
Kriminalität. Betroffen sind überwiegend Reisende in die Türkei - gelegentlich auch nach Tunesien oder Marokko,
die dort Schmuck oder Teppiche gekauft haben. Nach ihrer Rückkehr werden sie von den Tätern angerufen oder aufgesucht.
Deren detaillierte Kenntnisse über das im Urlaub getätigte Geschäft machen die Opfer so gutgläubig, dass sie den
Betrügern größere Beträge leihen und sich als Pfand wertlose Ware andrehen lassen.
Das Bundeskriminalamt warnt dringend vor solchen Geschäften und rät:
- Lassen Sie sich bei Telefonaten oder Kontakten mit angeblichen Vertretern von Teppichgeschäften nicht unter
Zeitdruck setzen. Klären sie den Sachverhalt durch Rückruf in dem Teppichgeschäft unter der Ihnen bekannten -
nicht der vom Anrufer angegebenen - Telefonnummer. Sollte eine Klärung nicht möglich sein, informieren Sie die
Polizei und sprechen das weitere Vorgehen ab.
- Beziehen sich die Anrufer auf einen "Urlaubskauf" im Ausland, sollte grundsätzlich die Polizei informiert
werden, da diese Firmen in der Regel ihre Ware in Deutschland nicht vermarkten.
- Händigen Sie Fremden, die sich als "Vertrauenspersonen" von Teppichfirmen ausgeben, niemals Bargeld aus oder
kaufen aus Gefälligkeit angeblich hochwertige Waren.
- Erstatten Sie grundsätzlich Anzeige bei der Polizei, wenn Sie vermuten, auf den "Teppichtrick" hereingefallen
zu sein.
- Merken Sie sich Daten, die für die Polizei zur Aufklärung der Straftat hilfreich sind, beispielsweise
Täterbeschreibungen (Geschlecht, Alter, besondere Merkmale), Kraftfahrzeuge (Marke/Typ/Farbe/Kennzeichen),
heben sie handschriftlich unterzeichnete Unterlagen auf (Verträge, Quittungen, Zertifikate) sowie Telefon- und
Handy-Nummern.
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Bericht aus der HAZ (Hannoversche Allgemeine Zeitung) vom 17.05.2004
Betrug mit Teppichen
Landeskriminalamt warnt vor professioneller Bande
Spezialermittler schlagen Alarm: Professionelle Teppichbetrüger sind seit Wochen aktiv und haben bundesweit einen
bisher noch nie da gewesenen Schaden angerichtet. Allein in Hannover wurden bisher mindestens ein Dutzend Männer
und Frauen geschädigt. Das Bundeskriminalamt hat in den ersten beiden Monaten dieses Jahres 85 Fälle gezählt
- doppelt so viele wie im Jahr zuvor. In Lüneburg ist allein ein Mann um 141.000 Euro geprellt worden.
"Die Betrüger gehen meist an wohlhabende, ältere Menschen heran", sagte ein Fahnder vom Landeskriminalamt (LKA).
Opfer seien meist Menschen, die bei einem vorherigen Auslandsaufenthalt in der Türkei, Tunesien oder Marokko Teppiche
gekauft haben und als Kunden registriert sind. "Dort ist die Lücke", sagte der Fahnder "vermutlich würden die dortigen
Händler für die Herausgabe von Adressen bezahlt.
Die potenziellen Opfer werden dann angerufen, und es wird freundlich
nachgefragt, ob sie mit den gekauften Teppichen zufrieden seien." Die Betrüger erschleichen sich nach und nach das
Vertrauen der Opfer", sagt der Ermittler, "die laufen dabei richtig zu Höchstform auf". Meist kommt es dann zu einem
persönlichen Gespräch, bei dem durch überredungskunst und phantasievolle Begründungen die Herausgabe von Bargeld
erreicht wird. Ein Trick: Die Betrüger erzählen von einem Container voller Teppiche, der noch beim Zoll stehe,
und den man nur mit einer hohen Summe Bargeld auslösen könne. Einem Hannoveraner versprachen die Betrüger jüngst
25.000 Euro, falls er ihnen 20.000 Euro zum Auslösen des Containers leihe. "Solch eine hohe Rendite verlockt natürlich",
sagt der LKA-Ermittler.
Das LKA kennt weitere Betrugsbeispiele: Im Rahmen einer Sonderaktion würden gute Kunden wertvolle Teppiche zu
Schnäppchenpreisen bekommen - der Teppich ist meist den Stoff kaum Wert, aus dem er hergestellt worden ist. Manchmal
wird auch um Geld für eine lebensnotwendige Operation eines Familienangehörigen oder für den Wiederaufbau einer
durch ein Erdbeben zerstörten Teppichfabrik gebeten. "Wer zahlt, sieht sein Geld nicht wieder", sagt der Ermittler.
Die Polizei warnt eindringlich vor solchen Geschäften. Niemals sollte man sich bei derartigen Gesprächen unter
Zeitdruck setzen lassen. Beziehen sich die Anrufer auf einen Urlaubskauf, sollte man sofort die Polizei informieren.
Die Polizei rät außerdem, alle Verträge und Quittungen aufzuheben.
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Fernsehbeitrag aus der Sendung REPORT aus München (2004)
Die Teppich-Mafia-Abzocke auf Türkei-Reisen, Autoren : Birgit Kappel und Clemens Schmidt
Ihre wertvollen Teppichschätze erwirbt Katharina Schlehufer im Januar in der Türkei. Der Preis: 49 000 Euro. Drei kleine
Seiden-Teppiche: handgefertigt und qualitativ hochwertig, so die Garantie. Doch wieder zu Hause kommt die Ernüchterung. Katharina
Schlehufer sagt:
"Ich habe das alles geglaubt, was die mir da erzählt haben, wie wertvoll die sind. Und das es die nur einmal gibt und kein
zweites mal mehr. Und was das alles für einen Wert haben würde, ja von wegen. Von wegen Wert. Ich habe sie in Düsseldorf
ja gesehen, die gleichen Teppiche, viel schönere Farben, ganz andere Qualität und da wußte ich ja auch die Preise, aber da war
für mich ja schon alles zu spät."
Gutachten bringen Gewißheit. Statt 49 000 Euro sind die drei Teppiche nur ein Bruchteil wert. Gerade mal 6500 Euro insgesamt - gute
Basarware, mehr nicht. Die Türkeireise, auf der Katharina Schlehufer die Teppiche erwarb, hat sie gewonnen. Veranstalter der Reise:
Die Gu.V-Touristik. Jürgen Schröder von der Verbraucherzentrale NRW kennt diese Firma. Gu.V ist bereits aktenkundig - als Ausrichter
sogenannter Kaffeefahrten:
"Die GUV ist uns aus den vergangenen Jahren aufgrund diverser Abmahnverfahren gut bekannt, die vorgenommen werden mußten
seitens der Verbraucherverbände. Auch in diesem Jahr gab es wieder Fälle, Beschwerden von Verbrauchern über die GUV, zum
Beispiel wurden da Teppiche in der Türkei gekauft zu horrenden Preisen, wo sich hinterher herausgestellt hat, daß die Teppiche
nur einen geringen Bruchteil des gezahlten Kaufpreises wert waren."
Das Ehepaar Grossmann hat an derselben Reise der Firma Gu.V teilgenommen. Sie beklagen noch heute, indirekt zum Teppichkauf gedrängt
worden zu sein. Ursula Grossmann erzählt:
"Wir waren alle in einem Zustand dort, wo wir sagen können, wir standen neben uns. Wir haben uns alle anders verhalten, wie wir es
normal machen. Man wurde, ja, psychologisch bearbeitet."
report München will sich in der Türkei vor Ort ein Bild machen. In Denizli, weit ab von den Badestränden und Touristenmetropolen,
befindet sich das Teppichzentrum, in dem Katharina Schlehufer und Ursula Grossmann eingekauft haben. Und auch jetzt finden wir Reisebusse vor,
die Touristen in Scharen zu dem Teppichzentrum gebracht haben.
Wir geben uns als Touristen aus. Und schnell finden wir uns in einer Verkaufsveranstaltung wieder. Getränke zur Einstimmung, dann
Teppiche ohne Ende. Smarte Verkäufer präsentieren die Waren geschickt. Der Spuk dauert eine gute Stunde. Zu den Verkaufsabschlüssen
zieht man sich in Extraräume zurück. Jetzt beginnt die eigentliche Show. Involviert sind auch die Reiseleiter vor Ort, denn sie
kassieren von den Teppichfirmen Provisionen und überreden die Kunden nicht selten zum Kauf. In Istanbul konfrontieren wir die zentrale
Firmenleitung des Teppichzentrums mit all unseren Vorwürfen. Doch der Verkaufsdirektor Mesut Inceoglu ist sich keiner Schuld bewußt,
weder werde minderwertige Ware verkauft, noch würden Kunden zum Kauf gedrängt. Und auch beim Thema Provision für die Reiseleitung
gibt sich er sich unwissend:
"Nein, nein so etwas gibt es nicht, also insofern, das kenne ich nicht, das kann man vielleicht in den kleinen Geschäften
vielleicht machen, aber wir haben hier viel investiert, wir führen gute Qualitätswaren. Wir haben unserer Personal. Allein von
dieser Arbeit leben Tausende von Menschen, und wir bringen viele Devisen in der Türkei, aber indem wir nur zufriedene Kunden haben."
In Istanbul treffen wir einen ehemaligen Reiseleiter. Aus Angst vor Rache will er unerkannt bleiben. Zu der Behauptung, es würden keine
Provisionen an Reiseleiter gezahlt, meint er:
"Das ist gelogen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man so dumm sein kann, so was zu behaupten. Das ist unmöglich. Der Kunde würde
mir niemals glauben, wenn ich ihm sage, ich kriege nichts davon. Meistens vergessen meine Landsleute, dass die Kundschaft mehr bereist ist als
sie selber. Also für so dumm kann man niemanden verkaufen. Natürlich haben sie was davon. Ganz klar."
Die Gewinnreisen in Deutschland zu den türkischen Verkaufszentren seien in der Tat nichts weiter als reine Kaffeefahrten, bestätigt der
ehemalige Reiseleiter. Er sagt weiter:
"Nachdem die Unternehmen, vor allem die Teppichfirmen in der Türkei mitbekommen haben, dass man da den Erfolg ja gepachtet hat, haben
sie angefangen, dieselben Methoden anzuwenden. Und gesehen, dass man ja auch Erfolg hat, daß man höhere Umsätze macht, mehr verkauft,
mehr Stücke verkaufen kann, und man ist somit sicherlich bei den Verkaufsveranstaltungen radikaler geworden."
Jürgen Schröder meint:
"Ich geh mal davon aus, die Gu.V ist da natürlich im Bilde und initiiert diese Reisen letztlich deshalb, um die Leute in den Basar zu
locken und Teppiche zu verkaufen. Der Reisepreis muss sich ja letztlich rechnen und keiner hat etwas zu verschenken und dahinter steckt doch die
Absicht, wirtschaftlich Gewinn zu machen und Teppiche, Lederwaren oder Schmuck zu verkaufen und das zu überhöhten Preisen."
Die Firma Gu.V verbirgt sich laut Prospekt hinter diesem Baugerüst in der Nähe von Bielefeld. Sprechen wollte dort aber niemand mit report
München. Auf unsere Interviewanfrage vor der Kamera erhalten wir eine Absage.
In einer schriftlichen Stellungnahme bestreitet die Gu.V, von türkischen Firmen bezuschusst zu werden. Außerdem, heißt es in dem
Schreiben, man habe sich bereits Anfang des Jahres entschlossen, die Türkeireise aus dem Programm zu nehmen.
Tatsächlich? Erst vor wenigen Tagen erhielt Katharina Schlehufer erneut eine Einladung zu einer Gratisreise in die Türkei. Auf dem Programm
steht auch hier wieder der Besuch eines Teppichzentrums. Veranstalter: Die Firma Eggeland Reisen. Und die wiederum, wen wunderts, ist eine Tochterfirma
von Gu.V Touristik.
Quelle: Report München
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